19.05.08Junggesellenabschied von Alex und Rainer! (by Wolferl)
Gleich zwei Bluesis wollen 2008 den Bund der Ehe schließen was uns auf die Idee brachte, einen gemeinsamen Junggesellenabschied zu planen. Bei Pizza und Hefebier rauchten uns die Köpfe und die Ideen wurden immer wilder und lustiger. Nach einigem Organisationsaufwand lief der Tag für Alex und Rainer dann so ab:
Am 01. Mai morgens standen die zwei Junggesellen ganz unbeschwert und ohne den leisesten Verdacht auf. Eine harmlose Maien-Tour war geplant - zuerst zum Weißwurstfrühstück nach Waltenweiler. Mit dabei ihre nichts ahnenden Mädels und die eingeweihten Verschwörer Hanson (die goldenen Stimme von Schmalegg) und Michi (die goldige Schlimme von Happenweiler...).
Der Rest der Bande traf sich schon früh in Waltenweiler, wo alle Vorbereitungen liefen. Eine Kutsche haben wir bei Sommerfelds Kumpel "Kiss" angemietet. Zwei mächtige Gäule wurden vorne angespannt. Die ganze Kutsche haben wir schön mit Luftballons und Girlanden dekoriert. Ein dickes Holzherzschild mit den Bildern von Alex und Rainer wurde angebracht mit der Aufschrift: "Wir trauen uns"! Speziell zur Feier des Tages haben wir uns besonders schöne Klamotten angezogen und wurden professionell vor Ort geschminkt. Gleich in der Früh entschieden wir uns für eine Schnapsprobe bei Kiss und jeder hatte auch schon einen Krug Most in der Hand. Das konnte ja lustig werden…
Gegen halb elf kamen dann unsere Junggesellen – das war ein HALLO! Alex durfte sich gleich ein paar hübsche Bekleidungsstücke aussuchen - er entschied sich für ein nettes Kleid nebst Perücke und Brustersatz. Rainer schlüpfte in astreine Alpenklamotten. Beide wurden noch nett geschminkt und dann ging's los.
Etwa 20 Minuten nach der Abfahrt erreichte uns rennend von hinten auch der liebe Hanson, der sich in Frauenklamotten gezwängt noch länger schminken lassen wollte und deshalb hinterher gefahren wurde. Ist halt ein Genießer ;-)
Komplett instrumentiert und mit einem Riesen-Megaphon fuhren wir mit 6km/h durch die Landschaft mit komplett tosender Lumpenkapelle an Bord (mein Lieblingslied: Geh alde schau mi ned so deppernd an…". Alex und Rainer sangen "im Wagen vor mir" oder "aber dich gibt's nur einmal für mich". Sogar ein Theaterstück mussten die zwei vortragen ohne jedoch den Inhalt zu verstehen - und da waren wir gerade mal eine halbe Stunde unterwegs. Natürlich versäumten wir es nicht, jedes Dorf gebührend und mit Hilfe des abartig lauten Megaphons zu begrüßen.
Kurze Zwischenstation machten wir in einer seltsamen Wirtschaft mit einem noch seltsameren Wirt, der sichtlich Angst vor uns hatte. Komisch.
Später trafen wir in Oberteuringen ein, zum Blütenfest. Hier ist die gesamte Mannschaft mitsamt Instrumenten ins Festzelt eingelaufen. Dirigent Mr. Sprenger unterbrach den Vortrag seiner Musikkapelle und wir durften vor hunderten Festzeltgästen eine schöne Einlage spielen. Alex und Rainer tanzten dazu um ihr Holzherz herum. Zu diesem Zeitpunkt war uns das Ganze überhaupt nicht peinlich. Einzig unser mitziehender Bürgermeister schien nicht ganz so entspannt bei so viel Öffentlichkeit – wir hatten nämlich einen echten Bürgermeister dabei. Woher wird nicht verraten.
Von Oberteuringen ging's zur Endstation – nach Russmaier (benannt vermutlich nach dem bekannten Regisseur Russ Meyer (siehe hier http://de.wikipedia.org/wiki/Russ_Meyer)
In Russmaier hat Elmar Denzler – der erste Sänger von den Bluesblasters – eine nette Wirtschaft. Hier spielten wir auf, bis kein Gast mehr da war. Das ging eigentlich erstaunlich schnell: Role übte sich mit Hilfe des Riesenmegaphons im bösen Rap-Shouten, Hanson zeigte den erstaunten Leuten, wie laut ein Schlagzeug sein kann und alle hatten viel Spaß. Sommerfelds 12-Ton-Improvisationen waren aber auch nicht zu verachten. An dieser Stelle Dankeschön an die Jehles für die geliehene Quetsche. Wusste gar nicht, wie gut "word up" mit einem Akkordeon klingt!
Alex wollte dann plötzlich um 19 Uhr schon heim, netterweise hat Flo ihn heimgebracht. Rainer hielt es noch gut aus, aber um 20 Uhr waren alle im Bett. Schade, eigentlich wollten wir noch in einen Stangenschuppen… Lag vermutlich an der vielen frischen Luft!
19.05.06That's Jazz – die Bluesblasters & Jazz (by Wolferl)
Dem mehrfachen Grammy Gewinner und ursprünglichen Jazzsänger Al Jareau warfen viele Kritiker vor, dass er sich mehr und mehr in die Poprichtung entwickeln würde. Seine Antwort darauf war, er hätte keine Lust mehr, nur vor Saxophonisten mit ihren Freundinnen zu spielen...
Jazz ist ein hartes Brot. Meist wenig Zuschauer, kleine Gagen und motivierende Kommentare wie "warum singt bei euch keiner? Mit Gesang wärs schöner…". Das Publikum besteht aus drei Gruppen: Andere Musiker (+ Freundinnen), wirkliche Jazzfans und welche die Jazz aus Imagegründen gut finden (möchten). Der mittlere Teil steigt mit steigender Popularität und diese wiederum steigt nur, wenn man außergewöhnlich gut ist und über eine ebensolche Ausstrahlung verfügt.
Wir machen kein Jazz – definitiv nicht. Unsere Musik hat aber die selben Wurzeln – der Blues. Das verbindet. Außerdem kommt man als Musiker immer mit Jazz in Berührung – voller Ehrfurcht vor den Leuten, die zig musikalische Skalen in allen Tonarten im Schlaf spielen können. Wie kommen wir dann zur Jazznacht nach Ravensburg?
Angefangen hat alles mit einer Anfrage vor Jahren. Jazztime verpflichtet ja nicht nur reine Jazzbands für ihre Jazznacht. Da lag es nahe, auch mal eine regionale Soulband mit ins Boot zu nehmen. Blöderweise lag der Termin sehr ungünstig und so konnten wir erst 2006 das Angebot wahrnehmen. Dafür aber gleich das Auftaktkonzert am Vorabend, was uns natürlich sehr entgegenkam.
Mittags beim Soundcheck war alles mit gedeckten Tischen voll. Hatte da der Wirt die Beschreibung unserer Musik im Prospekt nicht gelesen? Da wurde wohl eher gesittete Tischmusik erwartet. Was nettes zum Essen. Unsere gut gemeinten Hinweise, dass es wohl sehr voll würde und Tische vor der Tanzfläche nicht soo geschickt wären wurden jedenfalls ignoriert.
Natürlich war es viel zu laut beim Soundcheck. Es ist eigentlich immer zu laut beim Soundcheck und Abends passts dann. Auch so ein seltsames Phänomen. Vielleicht liegt es ja daran, dass ein leerer Saal grundsätzlich erheblich lauter "hallt"? Dass man bei Tageslicht und nüchterner Arbeitsstimmung Dinge als lauter und nervender empfindet, als am Abend mit vielen Leuten, guter Laune usw.? Wir sind eben eine große Soul, Rhythm n'Blues Band – zwölf Musiker die mit viel Energie spielen– kein Sonntagnachmittags – Kaffee-Programm. Vielleicht auch ein Grund, warum soviele Leute auf unsere Konzerte kommen? Wer weiß.
Dann gings los. Die ersten Leuten kamen schon um 19 Uhr und es füllte sich langsam aber sicher. Um Viertel nach Acht, nach einem Laudatio des Jazztime Vorsitzenden, der sich in dem bei Lehrern so beliebten "stillen Impuls" übte, ging es los. Beim "stillen Impuls" wird übrigens durch Innehalten dem Publikum nonverbal vermittelt, es möge doch leise sein, oder schwäbisch gesagt "sei Gosch halte". Eventuell kannten einige Ravensburger diese Methode aber noch nicht…;-)
Das bei uns die Altersbandbreite im Publikum meist etwas größer ist, als bei anderen Bands ist bekannt. Aber an diesem Abend reichte das Alter wirklich von 16 bis über 60. Wahnsinn und zugleich super für uns.
Die Damen und Herren, die an den Tischen saßen, konnten mittlerweile von der Bühne nichts mehr sehen. Der Saal war einfach zu voll…hatten wir das nicht schon mal?
In den Pausen konnte man schon das ein oder andere Gespräch aufschnappen. Ein Besucher sagte zu seiner Bekannten, eindeutig eher dem hochkulturellen Sektor zugeneigt: "Und? Ist doch klasse oder?". Sie antwortete zögerlich:" Ja schon, aber,….". Im Vorbeigehen konnte ich noch mitbekommen, dass es ihr wohl etwas zu "trubelig" erschien. Das wars auch. Ab dem 2. Set wurde getanzt und mitgesungen, dass der Laden bebte.
Am Ende wars dann aber doch Jazz. Nach Abzug des Knöllchens, das ich wegen Parkens im beschränkten Halteverbot zum Einladen meines Instruments bekam und der Kosten für Beschallung und Technik blieb noch eine Gage, die jedem normalen Menschen die Tränen in die Augen treibt. Spaß hats trotzdem sehr viel gemacht, gottseidank muss ich von Spaß nicht leben wie so mancher Jazzer…
Nachtrag: Mir ist gerade noch ein böser Witz eingefallen: Kommt ein Jazzer zum Doktor. Der Doktor sagt: " Es tut mir leid, sie haben nur noch vier Wochen zu leben". Sagt der Jazzer:" Ja aber von was, von was denn?"
27.01.06SENSATIONELLE NEWS !!! (by Wolferl)
Eigentlich wollte ich ja nix mehr schreiben - zumindest nicht mehr so schnell. Aber dann kam was, worüber es sich wirklich lohnt zu schreiben: Gestern Abend in der Probe - allgemeine Begrüßung und Einstimmung beim Aufbau der Instrumente. Dopfi macht so komische Andeutungen gegenüber Mathias - dann kommts raus: Hias hat ne Freundin! Bumm.
Das was für andere Leut erstmal nicht so unglaublich gewaltig klingt, ist hier ne ganz andere Sache: Hias hatte nämlich nie ne Freundin - solange ich ihn kenne. Und das sind auch schon ein paar Jährchen. Nicht das er keine Gelegenheit gehabt hätte, halb weiblich Oberschwaben zählt zu seinem Fanclub und im Keller hat er auch so die ein oder andere unglückliche Mädchenseele verbuddelt... ;-) Naja, kann man den Mädels nicht verdenken, ist ja auch ein echt charmanter Kerl - meistens.
Der Mensch, unser allerliebster Sänger, der jahrelang die Freiheit hochlobend predigte, morgens heimzukommen, in welchem Zustand auch immer und keine vorwurfsvollen Blicke zu kassieren. Abends wegzugehen, wohin auch immer und nicht vorher lieb zu fragen, ob sie vielleicht mit möchte oder lieber woanders. Dieser Hias steht jetzt auch seinen Mann in einer Beziehung und wir sind alle sehr gespannt, wie diese neue Phase in seinem Leben sich entwickelt! Unseren Segen haste! Amen.
Ein klitzekleinen Nachteil hat das Ganze dann aber doch: Wir müssen leider unsere Gage erhöhen, da der arme Hias nun viel Sprit auf der Strasse verblasen wird. Wir bitten um Verständniss bei den Herren und Damen Veranstalter. Der Liebe wegen. Dankeschön.
12.01.06Die Fasnet kommt! (by Wolferl)
Jetzt gehts wieder los - die Fasnetszeit. Viele Menschen, die das ganze Jahr über brav sind, flippen da aus und machen moralisch nicht ganz einwandfreie Dinge! Uns Musiker betrifft das im Allgemeinen nicht, da wir das ganze Jahr über.. naja, lassen wir das, ihr glaubt mir ja eh nicht.
Da wir üblicherweise an Fasnet nicht spielen, waren im letzten Jahr einige von uns auf dem legendären Bräss-Bänd-Ball in der Ailinger Gerbe, eigentlich die meisten, nur Caroline musste dank einer kleinen Erkrankung zuhause bleiben und kam so nicht in Versuchung einen Blödsinn anzustellen.
Das Motto war Kasperle-Theater und alle sahen sehr kaschprig aus. Eine Menge netter Gretels und Kaschpers, Krokodile und Seppels und sogar Großmütter waren anwesend. Nach der sehr schönen Party wussten wir wie so oft noch nicht genau, wo wir pennen sollten - außer Carmen. Die hatte sich schon am frühen Abend einen Platz auf dem Sofa eines Ailingers ergattert. Nicht bei irgendeinem, nein, beim größten Schlawiner Ailingens natürlich!
Das konnten nun Mathias und ich nicht so durchgehen lassen, schließlich haben wir ja irgendwie auch so was wie Verantwortung - gerade den jüngeren BandmitgliederInnen über...
Früh morgens ließen wir uns mit Daniels Hilfe von einem riesigen Schneeräumgerät abholen und brachen auf zum Ort der möglichen Unmoral. Dort angekommen ließen sie uns nicht rein. Weder der Schlawiner noch die Carmen. Kein Problem, Mathias wusste wo der Zweitschlüssel versteckt war. Hat auch nichts gebracht, von innen steckte ein anderer Schlüssel. Nach ein, zwei Stunden mussten wir aufgeben und begaben uns auf den langen Heimweg nach Lottenweiler. Gottseidank wurden wir unterwegs noch von einem Auto aufgegabelt und prompt zum Frühstück eingeladen.
Mittlerweile hat Carmen einen anständigen Freund und wie sie uns versicherte, hat sie beim besagten Ailinger Schlawiner wirklich nur geschlafen. Was anderes wäre nach unserer stundenlangen Klingelei vermutlich auch nicht mehr gegangen. Mal sehen, was die diesjährige Fasnet so bringt. Und an alle Mädels, die gerne bei uns singen würden: Es hat auch Nachteile...hihi.
PS: Das Foto zeigt uns vor der Haustier des Schlawiners, der in Wirklichkeit eigentlich gar keiner ist. Aber es klang irgendwie dramatischer.
13.09.05Der Bus - thank you, Schlage & Co. (by Wolferl)
Wir spielen ja oft und gerne in der Bodenseeregion und Oberschwaben, jedoch ist es immer ein Highlight, wenn's ein paar Kilometer weiter geht und wir nicht mit den eigenen PKW fahren. Wie geht das ab?
Wir leihen uns einen Bus: Meist bekommen wir netterweise den schwarzen, uralten Ford Transit von Moskovskaya. Dieser Bus ist ein umgebauter Sanka aus den 70ern, mit heute noch funktionierender Dachlüftung, dicker Hifi-Anlage inkl. SKA-CDs und einer Menge Literatur für Männer. Die eingebaute Dachlüftung ist unglaublich wichtig, weil man ohne sie ersticken müsste. Und wegen der paar Qualmer die Fenster zu öffnen wäre zumindest im Winter einfach zu kalt.
Im Bus selber gibts 9 Sitzplätze, davon drei gegen die Fahrtrichtung, die nix für schwache Magen sind. Da wir aber 12 Leute sind, dürfen eh nur 9 mit und drei müssen mit einem PKW hinterhergondeln. Anschnallen auf den hinteren Plätzen ist Fehlanzeige, auch ist es schwierig, zwischen den vielen leeren Bierkästen und anderem Gedöns die Füße zu platzieren. Da fällt mir ein Aufkleber ein, den ich mal auf einem alten Auto gesehen habe: "No AIRBAG, wir sterben wie Männner!" Aber macht nix, weil hier ist am meisten Spaß angesagt!
Aus normalen Kurven wird ein Achterbahnerlebnis, bremsen sollte man schon 4km vor der Autobahnausfahrt und enge Kurven in langsamer Geschwindigkeit sind nur mit extremen Hanteltraining zu schaffen. Servolenkung gibts nicht. Man denkt nie und nimmer, welche Strecken Moskovskaya mit diesem Bus schon gefahren sind. Ich glaube, die waren mit dem Teil sogar schonmal in Russland auf Tour. Aber sie haben ja auch immer einen Mechaniker dabei.
Meist fahrt Harry den Bus, da sein Lieblingsgetränk Spezi ist. Bis alle Bluesis wieder zuhause sind, kann das schon einige Stunden dauern und Harry ist unglaublich geduldig. Zumindest meistens.
Wir hatten früher auch einen eigenen Bandbus, der lief aber nur ca. 50km/h und war auch viel kleiner. Gottseidank sind die Musikerkollegen von Moskovskaya so nett und leihen uns hin und wieder ihr Kultgefährt - bis wir uns selbst einen leisten können - dafür ein dickes Dankeschön!
16.08.05The making of "I just can´t get enough" (by Wolferl)
Schwangerschaft und Geburt einer Langspielplatte mit zwölf Mütter und Väter.
Es gab viele Gründe, eine CD aufzunehmen: Es waren über vier Jahre verstrichen, seitdem wir das letzte Mal im Studio waren. Da gab es eine viel versprechende musikalische Besetzung bei den Bluesis, die Ende 2003 schon ein Jahr ohne Trennung überstanden hatte. Da waren auf der alten CD nur vier Songs – die kaufte wohl niemand ab. Da gab es nun auch eigene Songs und eine große Nachfrage und nicht zuletzt konnte die Band ja auch bei mir aufnehmen – in meinem kleinen Tonstudio "Rabbitland". Das heißt übrigens Rabbitland, weil man am Fenster hin und wieder ein paar Hasen herumhüpfen sieht. Also welche mit Fell.
Irgendwann im Spätherbst 2003 bauten wir die Rhythmusgruppe (Drums, Gitarre, Keyboards und Bass) in Happy's Proberaum auf. Wer jetzt denkt, das wäre das typisch feucht-kalte, nach altem Zigarettenrauch und Bierresten stinkende Kellerloch, der liegt falsch. Ok, das mit dem Rauch und dem Bier stimmt teilweise schon, aber sonst ist es ein kleines, gut eingerichtetes Häuschen, am Rande von Hasenweiler mit einer großen Bar, mehreren Sofas, einem Riesen-TV, separatem Schlagzeugraum, usw. Happy's Liebesnest eben.
Damit wir die Schlagzeuger auch sehen konnten, war ihr Raum per Video mit unserem verbunden. Dadurch hatten wir leider ein etwas ödes TV-Programm in der Zeit, aber Happy und Harry bemühten sich, dass es uns nicht langweilig wurde. Harry z.B. brauchte als Klick nicht ein einfaches "ding-dong-dong-dong", sondern es musste schon ein spezielles drum-pattern sein. Harry's Zwischenkommentare waren dabei immer ungefähr dieselben:" Happy, des wär doch än geile Klick, komm doch mol her!". Das ganze dauerte Stunden, bis alle 16 Songs einen schönen Klick hatten, weil jedes Lied seinen ganz eigenen, persönlichen bekam.
Dann ging's endlich los. Drei Tage lang haben wir eingespielt, abgehört, uns geärgert, neu eingespielt,…
Dazwischen wurden wir sehr verwöhnt durch Fam. Ibeles wunderbare Saitenwürschtle und Sommerfelds Nussbetonkuchen, der ihn extra nachts um drei gebacken hat. Mit etwas Sahne war er sogar genießbar. Kulinarisches Highlight war jedoch Mama Happy's Rahmgeschnetzeltes. Daran habe ich irgendwie die angenehmste Erinnerung. Kulinarisch zumindest. Man muss sich vorstellen, dass Happy's Mama extra Spaghetti-Nudeln für Happy gekocht hatte, da "der Bua" nicht so gern Reis zum Geschnetzelten isst. Das erklärte so manches…
Einmal hatte Happy einen derartigen Kater, dass er darauf bestand am nächsten Tag zwei Songs neu einzuspielen. Danach hat der Rest leider nicht mehr rhythmisch dazu gepasst und wir mussten die zwei Songs komplett neu einspielen. Da seine Mama aber so nett zu uns war, haben wir ihn doch nicht verhauen ;-)
Jetzt waren die Bläser dran: Alle zusammen in einem Aufnahmeraum waren sie sich alles andere als einig. Wer spielt welche Stimme wann? Nach stundenlangen Diskussionen und dem mehrfachen Einsatz von Sommy's Universalargument:"Des hom mir immer so gschpielt" ging's dann endlich los. Aufgeregt wie junge Hühner vor ihrem ersten Tanzkränzle - aber mit der Zeit ging's dann doch einigermaßen routiniert auf die Festplatte.
Am Abend nach dem ersten Aufnahmetag der Bläser hatten wir Band-Weihnachtsfeier im Gypsis. Es gab dick zu Essen und dazu Tequila in allen Sorten und Farben. Sommy, der Tequillaspezialist ließ sich die Karte bringen und bestellte zielsicher den teuersten und diskutierte mit dem Kellner, welcher nun der beste wär. Zwischendrin gab's Erdbeerbecher oder auch Baccardi Freezer genannt, der in Eimern serviert wurde.
Später gingen wir noch in die Räuberhöhle, in der wir ein Prospekt der Zehntscheuer entdeckten, was weiter nichts Besonderes wäre. Jedoch standen wir mit Foto und Beschreibung drin, und dass wir in einigen Wochen da spielen würden. Jedoch hatte keiner den Auftritt ausgemacht. Das war sehr lustig und wir konnten den Gig dann tatsächlich spielen, jedoch wissen wir bis heute nicht, wie er zustande kam und ohne Weihnachtsfeier hätten wir nie von ihm erfahren.
Nach der Räuberhöhle ging's zum Christbaumloben auf den Marienplatz, jedoch konnte Torben Schlimmeres verhindern. Er war bereits ein gebranntes Kind und wurde einmal von der Polizei erwischt, als er in jungen Jahren den Christbaum ausgesteckt hatte. Er musste sogar Strafe zahlen… Der Abend wurde dann in einem Zappelschuppen abgeschlossen, wo man für das Bier 5€ bezahlen musste. Das war für einige (also zumindest für die Mädels) Premiere.
Dann war Weihnachten vorbei, 2004 begann und damit auch die Gesangsaufnahmen. Alle Sänger waren total nervös, aber auch motiviert und voller Euphorie – außer Matthias, der verbrachte einen Aufnahmetag im Bett, weil er die Nacht zuvor in Lottenweiler nach dem Dorffest früh morgens Rennen fuhr. Zuvor waren er und seine Kumpels beim Christbaumloben und hatten Boxer-Shirts auf dem Kopf. Irgendwann mittags hat er mich dann angerufen und gesagt:" Du Wolfi, I ka it komme. I bin sooo fertig. Aber I hon fünfzig Euro g'wonnen und paar Kästen Bier. Toll gell?".
Den letzten Nerv hat er uns geraubt, der Hias – als er bei den Aufnahmen ständig die Chorstellen vorsang bevors richtig losging und ins Mikro schnaufte wie ein Walross. Aber sonst war er voll motiviert. Unser Motivator ;-)
Und die Mädels? Na die waren öfters auf dem Klo als in der kleinen Gesangskabine meines Studios. Literweise Kaffee waren notwendig, da gerade Fasnet war. Und da konnte man ja auch nicht mal ne Party sausen lassen. Man könnt ja was verpassen. Ja, so ist das mit 20. Gottseidank bin ich schon 22 und vernünftig!
Um genügend Atmosphäre für die Songs zu haben, brauchten die Mädels Hilfsmittel: Ein paar Kerzen und dazwischen Fotos von angeblich gutaussehenden Männern standen wie auf einem Altar im Aufnahmeraum. Da ich auch hin und wieder auch mitgesungen habe, durfte jeder mal Aufnahmeleiter spielen, was eigentlich gar nicht so schwer ist. Wichtig war nur:"Hast du rot gedrückt?" Das war der Aufnahmeknopf, den Hias sehr gerne betätigte.
Wenn er Aufnahmeleiter war, ging's auch ca. fünfmal so lange. Er leitete nämlich jede Aufnahme mit einer Ansprache ans Volk ein:" Herzlich Willkommen im Tonstudio! In wenigen Augenblicken beginnt die Aufnahme. Seid ihr bereit? Geht's euch gut? Do you like Soulmusic? Alles klar? Bereit? Ok, noch vier, noch drei, noch zweieinhalb, noch zwei,… jetzt geht's los! Viel Spaß, Dankeschön!"
Danach war 20 Sekunden Stille, dann "oh scheiße, ich hab vergessen rot zu drücken".
Man merkt, wir hatten trotz der Arbeit einen Riesenspaß und viele aus dem Blödsinn geborene Ideen sind auf der CD verewigt worden.
Nach 8500 Minuten Aufnahme, Mixdown war der musikalische Teil der CD fast fertig. Jetzt ging's an Design des Covers. Dazu benötigten wir erstmal neue Fotos. Dazu trafen wir uns an einem schweinkalten Samstag in Ravensburg am alten Güterbahnhof. Markus Obert brachte seinen coolen schwarzen Ami-Schlitten mit, der mittlerweile unser Logo trägt. Nach ein paar Stunden hatten wir 10 Filme im Kasten und konnten endlich wieder ins Warme. Alex, der neben dem Gitarrespielen sein Geld mit Design verdient, war auch dieses zuständig und so kam am Ende ein ziemlich schönes Cover raus.
Gemastert wurde die CD von Jürgen Schlachter von 36music, der schon Platten von AHA, Tap two und Kraan gemastert hatte. Ziemlich knapp ging's dann mit dem ganzen Material ins Presswerk und wir bekamen die CDs am Mittag vor der CD-Releaseparty gerade noch auf den letzten Drücker geliefert. Das hat ein paar Nerven gekostet, aber wir waren alle ganz stolz auf dieses Gesamtwerk und die gigantische Release-Party im brechend vollen Theaterstadel entschädigte uns für die ganze Mühe.
Wer mehr Bilder von der Aufnahme sehen möchte: Unter Galery / Backstage / CD Aufnahme schauen!