16.08.05The making of "I just can´t get enough" (by Wolferl)
Schwangerschaft und Geburt einer Langspielplatte mit zwölf Mütter und Väter.
Es gab viele Gründe, eine CD aufzunehmen: Es waren über vier Jahre verstrichen, seitdem wir das letzte Mal im Studio waren. Da gab es eine viel versprechende musikalische Besetzung bei den Bluesis, die Ende 2003 schon ein Jahr ohne Trennung überstanden hatte. Da waren auf der alten CD nur vier Songs – die kaufte wohl niemand ab. Da gab es nun auch eigene Songs und eine große Nachfrage und nicht zuletzt konnte die Band ja auch bei mir aufnehmen – in meinem kleinen Tonstudio "Rabbitland". Das heißt übrigens Rabbitland, weil man am Fenster hin und wieder ein paar Hasen herumhüpfen sieht. Also welche mit Fell.
Irgendwann im Spätherbst 2003 bauten wir die Rhythmusgruppe (Drums, Gitarre, Keyboards und Bass) in Happy's Proberaum auf. Wer jetzt denkt, das wäre das typisch feucht-kalte, nach altem Zigarettenrauch und Bierresten stinkende Kellerloch, der liegt falsch. Ok, das mit dem Rauch und dem Bier stimmt teilweise schon, aber sonst ist es ein kleines, gut eingerichtetes Häuschen, am Rande von Hasenweiler mit einer großen Bar, mehreren Sofas, einem Riesen-TV, separatem Schlagzeugraum, usw. Happy's Liebesnest eben.
Damit wir die Schlagzeuger auch sehen konnten, war ihr Raum per Video mit unserem verbunden. Dadurch hatten wir leider ein etwas ödes TV-Programm in der Zeit, aber Happy und Harry bemühten sich, dass es uns nicht langweilig wurde. Harry z.B. brauchte als Klick nicht ein einfaches "ding-dong-dong-dong", sondern es musste schon ein spezielles drum-pattern sein. Harry's Zwischenkommentare waren dabei immer ungefähr dieselben:" Happy, des wär doch än geile Klick, komm doch mol her!". Das ganze dauerte Stunden, bis alle 16 Songs einen schönen Klick hatten, weil jedes Lied seinen ganz eigenen, persönlichen bekam.
Dann ging's endlich los. Drei Tage lang haben wir eingespielt, abgehört, uns geärgert, neu eingespielt,…
Dazwischen wurden wir sehr verwöhnt durch Fam. Ibeles wunderbare Saitenwürschtle und Sommerfelds Nussbetonkuchen, der ihn extra nachts um drei gebacken hat. Mit etwas Sahne war er sogar genießbar. Kulinarisches Highlight war jedoch Mama Happy's Rahmgeschnetzeltes. Daran habe ich irgendwie die angenehmste Erinnerung. Kulinarisch zumindest. Man muss sich vorstellen, dass Happy's Mama extra Spaghetti-Nudeln für Happy gekocht hatte, da "der Bua" nicht so gern Reis zum Geschnetzelten isst. Das erklärte so manches…
Einmal hatte Happy einen derartigen Kater, dass er darauf bestand am nächsten Tag zwei Songs neu einzuspielen. Danach hat der Rest leider nicht mehr rhythmisch dazu gepasst und wir mussten die zwei Songs komplett neu einspielen. Da seine Mama aber so nett zu uns war, haben wir ihn doch nicht verhauen ;-)
Jetzt waren die Bläser dran: Alle zusammen in einem Aufnahmeraum waren sie sich alles andere als einig. Wer spielt welche Stimme wann? Nach stundenlangen Diskussionen und dem mehrfachen Einsatz von Sommy's Universalargument:"Des hom mir immer so gschpielt" ging's dann endlich los. Aufgeregt wie junge Hühner vor ihrem ersten Tanzkränzle - aber mit der Zeit ging's dann doch einigermaßen routiniert auf die Festplatte.
Am Abend nach dem ersten Aufnahmetag der Bläser hatten wir Band-Weihnachtsfeier im Gypsis. Es gab dick zu Essen und dazu Tequila in allen Sorten und Farben. Sommy, der Tequillaspezialist ließ sich die Karte bringen und bestellte zielsicher den teuersten und diskutierte mit dem Kellner, welcher nun der beste wär. Zwischendrin gab's Erdbeerbecher oder auch Baccardi Freezer genannt, der in Eimern serviert wurde.
Später gingen wir noch in die Räuberhöhle, in der wir ein Prospekt der Zehntscheuer entdeckten, was weiter nichts Besonderes wäre. Jedoch standen wir mit Foto und Beschreibung drin, und dass wir in einigen Wochen da spielen würden. Jedoch hatte keiner den Auftritt ausgemacht. Das war sehr lustig und wir konnten den Gig dann tatsächlich spielen, jedoch wissen wir bis heute nicht, wie er zustande kam und ohne Weihnachtsfeier hätten wir nie von ihm erfahren.
Nach der Räuberhöhle ging's zum Christbaumloben auf den Marienplatz, jedoch konnte Torben Schlimmeres verhindern. Er war bereits ein gebranntes Kind und wurde einmal von der Polizei erwischt, als er in jungen Jahren den Christbaum ausgesteckt hatte. Er musste sogar Strafe zahlen… Der Abend wurde dann in einem Zappelschuppen abgeschlossen, wo man für das Bier 5€ bezahlen musste. Das war für einige (also zumindest für die Mädels) Premiere.
Dann war Weihnachten vorbei, 2004 begann und damit auch die Gesangsaufnahmen. Alle Sänger waren total nervös, aber auch motiviert und voller Euphorie – außer Matthias, der verbrachte einen Aufnahmetag im Bett, weil er die Nacht zuvor in Lottenweiler nach dem Dorffest früh morgens Rennen fuhr. Zuvor waren er und seine Kumpels beim Christbaumloben und hatten Boxer-Shirts auf dem Kopf. Irgendwann mittags hat er mich dann angerufen und gesagt:" Du Wolfi, I ka it komme. I bin sooo fertig. Aber I hon fünfzig Euro g'wonnen und paar Kästen Bier. Toll gell?".
Den letzten Nerv hat er uns geraubt, der Hias – als er bei den Aufnahmen ständig die Chorstellen vorsang bevors richtig losging und ins Mikro schnaufte wie ein Walross. Aber sonst war er voll motiviert. Unser Motivator ;-)
Und die Mädels? Na die waren öfters auf dem Klo als in der kleinen Gesangskabine meines Studios. Literweise Kaffee waren notwendig, da gerade Fasnet war. Und da konnte man ja auch nicht mal ne Party sausen lassen. Man könnt ja was verpassen. Ja, so ist das mit 20. Gottseidank bin ich schon 22 und vernünftig!
Um genügend Atmosphäre für die Songs zu haben, brauchten die Mädels Hilfsmittel: Ein paar Kerzen und dazwischen Fotos von angeblich gutaussehenden Männern standen wie auf einem Altar im Aufnahmeraum. Da ich auch hin und wieder auch mitgesungen habe, durfte jeder mal Aufnahmeleiter spielen, was eigentlich gar nicht so schwer ist. Wichtig war nur:"Hast du rot gedrückt?" Das war der Aufnahmeknopf, den Hias sehr gerne betätigte.
Wenn er Aufnahmeleiter war, ging's auch ca. fünfmal so lange. Er leitete nämlich jede Aufnahme mit einer Ansprache ans Volk ein:" Herzlich Willkommen im Tonstudio! In wenigen Augenblicken beginnt die Aufnahme. Seid ihr bereit? Geht's euch gut? Do you like Soulmusic? Alles klar? Bereit? Ok, noch vier, noch drei, noch zweieinhalb, noch zwei,… jetzt geht's los! Viel Spaß, Dankeschön!"
Danach war 20 Sekunden Stille, dann "oh scheiße, ich hab vergessen rot zu drücken".
Man merkt, wir hatten trotz der Arbeit einen Riesenspaß und viele aus dem Blödsinn geborene Ideen sind auf der CD verewigt worden.
Nach 8500 Minuten Aufnahme, Mixdown war der musikalische Teil der CD fast fertig. Jetzt ging's an Design des Covers. Dazu benötigten wir erstmal neue Fotos. Dazu trafen wir uns an einem schweinkalten Samstag in Ravensburg am alten Güterbahnhof. Markus Obert brachte seinen coolen schwarzen Ami-Schlitten mit, der mittlerweile unser Logo trägt. Nach ein paar Stunden hatten wir 10 Filme im Kasten und konnten endlich wieder ins Warme. Alex, der neben dem Gitarrespielen sein Geld mit Design verdient, war auch dieses zuständig und so kam am Ende ein ziemlich schönes Cover raus.
Gemastert wurde die CD von Jürgen Schlachter von 36music, der schon Platten von AHA, Tap two und Kraan gemastert hatte. Ziemlich knapp ging's dann mit dem ganzen Material ins Presswerk und wir bekamen die CDs am Mittag vor der CD-Releaseparty gerade noch auf den letzten Drücker geliefert. Das hat ein paar Nerven gekostet, aber wir waren alle ganz stolz auf dieses Gesamtwerk und die gigantische Release-Party im brechend vollen Theaterstadel entschädigte uns für die ganze Mühe.
Wer mehr Bilder von der Aufnahme sehen möchte: Unter Galery / Backstage / CD Aufnahme schauen!