19.05.06That's Jazz – die Bluesblasters & Jazz (by Wolferl)
Dem mehrfachen Grammy Gewinner und ursprünglichen Jazzsänger Al Jareau warfen viele Kritiker vor, dass er sich mehr und mehr in die Poprichtung entwickeln würde. Seine Antwort darauf war, er hätte keine Lust mehr, nur vor Saxophonisten mit ihren Freundinnen zu spielen...
Jazz ist ein hartes Brot. Meist wenig Zuschauer, kleine Gagen und motivierende Kommentare wie "warum singt bei euch keiner? Mit Gesang wärs schöner…". Das Publikum besteht aus drei Gruppen: Andere Musiker (+ Freundinnen), wirkliche Jazzfans und welche die Jazz aus Imagegründen gut finden (möchten). Der mittlere Teil steigt mit steigender Popularität und diese wiederum steigt nur, wenn man außergewöhnlich gut ist und über eine ebensolche Ausstrahlung verfügt.
Wir machen kein Jazz – definitiv nicht. Unsere Musik hat aber die selben Wurzeln – der Blues. Das verbindet. Außerdem kommt man als Musiker immer mit Jazz in Berührung – voller Ehrfurcht vor den Leuten, die zig musikalische Skalen in allen Tonarten im Schlaf spielen können. Wie kommen wir dann zur Jazznacht nach Ravensburg?
Angefangen hat alles mit einer Anfrage vor Jahren. Jazztime verpflichtet ja nicht nur reine Jazzbands für ihre Jazznacht. Da lag es nahe, auch mal eine regionale Soulband mit ins Boot zu nehmen. Blöderweise lag der Termin sehr ungünstig und so konnten wir erst 2006 das Angebot wahrnehmen. Dafür aber gleich das Auftaktkonzert am Vorabend, was uns natürlich sehr entgegenkam.
Mittags beim Soundcheck war alles mit gedeckten Tischen voll. Hatte da der Wirt die Beschreibung unserer Musik im Prospekt nicht gelesen? Da wurde wohl eher gesittete Tischmusik erwartet. Was nettes zum Essen. Unsere gut gemeinten Hinweise, dass es wohl sehr voll würde und Tische vor der Tanzfläche nicht soo geschickt wären wurden jedenfalls ignoriert.
Natürlich war es viel zu laut beim Soundcheck. Es ist eigentlich immer zu laut beim Soundcheck und Abends passts dann. Auch so ein seltsames Phänomen. Vielleicht liegt es ja daran, dass ein leerer Saal grundsätzlich erheblich lauter "hallt"? Dass man bei Tageslicht und nüchterner Arbeitsstimmung Dinge als lauter und nervender empfindet, als am Abend mit vielen Leuten, guter Laune usw.? Wir sind eben eine große Soul, Rhythm n'Blues Band – zwölf Musiker die mit viel Energie spielen– kein Sonntagnachmittags – Kaffee-Programm. Vielleicht auch ein Grund, warum soviele Leute auf unsere Konzerte kommen? Wer weiß.
Dann gings los. Die ersten Leuten kamen schon um 19 Uhr und es füllte sich langsam aber sicher. Um Viertel nach Acht, nach einem Laudatio des Jazztime Vorsitzenden, der sich in dem bei Lehrern so beliebten "stillen Impuls" übte, ging es los. Beim "stillen Impuls" wird übrigens durch Innehalten dem Publikum nonverbal vermittelt, es möge doch leise sein, oder schwäbisch gesagt "sei Gosch halte". Eventuell kannten einige Ravensburger diese Methode aber noch nicht…;-)
Das bei uns die Altersbandbreite im Publikum meist etwas größer ist, als bei anderen Bands ist bekannt. Aber an diesem Abend reichte das Alter wirklich von 16 bis über 60. Wahnsinn und zugleich super für uns.
Die Damen und Herren, die an den Tischen saßen, konnten mittlerweile von der Bühne nichts mehr sehen. Der Saal war einfach zu voll…hatten wir das nicht schon mal?
In den Pausen konnte man schon das ein oder andere Gespräch aufschnappen. Ein Besucher sagte zu seiner Bekannten, eindeutig eher dem hochkulturellen Sektor zugeneigt: "Und? Ist doch klasse oder?". Sie antwortete zögerlich:" Ja schon, aber,….". Im Vorbeigehen konnte ich noch mitbekommen, dass es ihr wohl etwas zu "trubelig" erschien. Das wars auch. Ab dem 2. Set wurde getanzt und mitgesungen, dass der Laden bebte.
Am Ende wars dann aber doch Jazz. Nach Abzug des Knöllchens, das ich wegen Parkens im beschränkten Halteverbot zum Einladen meines Instruments bekam und der Kosten für Beschallung und Technik blieb noch eine Gage, die jedem normalen Menschen die Tränen in die Augen treibt. Spaß hats trotzdem sehr viel gemacht, gottseidank muss ich von Spaß nicht leben wie so mancher Jazzer…
Nachtrag: Mir ist gerade noch ein böser Witz eingefallen: Kommt ein Jazzer zum Doktor. Der Doktor sagt: " Es tut mir leid, sie haben nur noch vier Wochen zu leben". Sagt der Jazzer:" Ja aber von was, von was denn?"